München/Vilshofen. Wie sieht Demokratie aus? Was bedeuten Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit oder Gerechtigkeit für junge Menschen? Und was ist ihnen eine demokratische Gesellschaft wert? Auf diese Fragen gaben Schülerinnen und Schüler aus ganz Bayern am 24. September in der Pinakothek der Moderne in München ganz unterschiedliche künstlerische Antworten. Bei der feierlichen Preisverleihung des Wettbewerbs „Demokratie – Next Generation!“ zeigte sich dabei vor allem eines: So verschieden die jungen Menschen, ihre Lebenswelten und ihre künstlerischen Ausdrucksformen auch sein mögen, viele grundlegende Vorstellungen davon, was eine demokratische Gesellschaft ausmacht, verbinden sie miteinander.
In zahlreichen Wettbewerbsbeiträgen setzten sich junge Menschen mit demokratischen Prinzipien und Grundwerten auseinander. Menschenwürde und Gleichberechtigung, Freiheit und gesellschaftliche Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität und gegenseitiger Respekt fanden auf ganz unterschiedliche Weise ihren künstlerischen Ausdruck. Manche Arbeiten griffen zugleich den Gedanken auf, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist, sondern geschützt, gelebt und immer wieder neu mit Leben gefüllt werden muss.
Auch die Gespräche auf der Bühne machten deutlich, dass Demokratie vom Pluralismus, vom Austausch unterschiedlicher Positionen und vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger lebt. Zu den Gästen gehörten unter anderem die Bayerische Staatsministerin für Familie, Arbeit und Soziales und stellvertretende Ministerpräsidentin Ulrike Scharf, Dr. Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der frühere Münchner Oberbürgermeister Christian Ude sowie der Schauspieler und Sänger Ron Williams. Das Programm verband Preisverleihungen und Podiumsgespräche mit musikalischen Beiträgen. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auch auf der klaren Auseinandersetzung mit Rassismus und Antisemitismus.
Mitten unter den jungen Künstlerinnen und Künstlern waren auch zwei Klassen der Mittelschule St. Georg Vilshofen. Die Arbeiten waren bereits im vergangenen Schuljahr von den damaligen Klassen 5b und 6a eingereicht worden. Inzwischen besuchen die Schülerinnen und Schüler die Klassen 6b und 7a. Begleitet wurden sie nach München von ihren Klassenleitungen Michael Freund und Zlatka Daneva sowie von Rektor Florian Zirbel. Beide Klassen hatten jeweils einen Gemeinschaftsbeitrag gestaltet; darüber hinaus beteiligten sich mehrere Schülerinnen und Schüler mit eigenen Einzelarbeiten am Wettbewerb.
Die heutige Klasse 7a unter Leitung von Zlatka Daneva setzte sich in ihrem Gruppenbeitrag mit dem demokratischen Prinzip der Versammlungsfreiheit auseinander. Ihre Arbeit gehörte zu den nominierten Gruppenbeiträgen und wurde damit bei der Preisverleihung in München gewürdigt.
Besondere Anerkennung erhielt zudem das Gemeinschaftswerk der heutigen Klasse 6b unter Leitung von Michael Freund mit Unterstützung von Lehramtsstudentin Julia Neumüller: Ihr Beitrag zum Thema Chancengleichheit erreichte den zweiten Platz in der Kategorie Gruppenbeiträge. Bei der Preisverleihung wurde das großformatige Werk in der Pinakothek der Moderne präsentiert.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Gleichwertigkeit aller Menschen. Unterschiedlich gestaltete menschliche Silhouetten stehen Hand in Hand nebeneinander. Auf und zwischen ihnen finden sich Begriffe und Symbole, die demokratische Rechte und Werte wie Würde, Gleichheit, Vielfalt, Meinungs- und Religionsfreiheit oder freie Wahlen aufgreifen. Trotz aller Verschiedenheit bilden die Figuren eine Gemeinschaft. Damit knüpft die Arbeit an einen grundlegenden Gedanken der Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes an: an die unantastbare Würde jedes Menschen und an die Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz. Für die Schülerinnen und Schüler folgt daraus die Frage nach tatsächlicher Chancengleichheit – danach also, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit Menschen unabhängig von ihren Unterschieden gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Dabei war der Wettbewerbserfolg nur ein Teil dessen, was den Tag für die Vilshofener Schülerinnen und Schüler besonders machte. Beeindruckend war für sie vor allem zu erleben, wie viele unterschiedliche junge Menschen sich mit Demokratie beschäftigen und wie viele gemeinsame Überzeugungen sich trotz ganz verschiedener Ausdrucksformen in ihren Arbeiten wiederfinden. Die Wettbewerbsbeiträge machten sichtbar, dass Demokratie für Jugendliche keineswegs nur ein abstrakter Begriff aus dem Unterricht ist. Sie verbinden damit konkrete Vorstellungen vom Zusammenleben und von den Rechten, die allen Menschen zustehen.
Gerade in der Vielfalt der Werke lag deshalb eine wichtige Erfahrung des Tages: Demokratie bedeutet nicht, dass alle Menschen dasselbe denken oder auf dieselbe Weise leben müssen. Sie ermöglicht vielmehr Unterschiedlichkeit auf der Grundlage gemeinsamer Rechte und Regeln. Viele der Arbeiten zeigten zugleich, dass junge Menschen bereit sind, sich mit diesen Werten auseinanderzusetzen – und dass ihnen bewusst ist, dass Demokratie auf Menschen angewiesen ist, die für sie eintreten.
Mit der Preisverleihung endet das Projekt nicht. Aus den künstlerischen Beiträgen soll eine interaktive Wanderausstellung entstehen, die an Schulen und an öffentlichen Orten wie Rathäusern oder Bibliotheken gezeigt wird. Workshops, Ausstellungsführungen und Diskussionsveranstaltungen sollen die künstlerischen Arbeiten ergänzen und insbesondere junge Menschen dazu anregen, über demokratische Prinzipien miteinander ins Gespräch zu kommen.
So wurde aus einer Preisverleihung weit mehr als die Würdigung einzelner Kunstwerke. Der Vormittag in München bot den Schülerinnen und Schülern Gelegenheit, Demokratie als etwas Gemeinsames und zugleich Vielfältiges zu erleben: als eine Gesellschaftsform, die unterschiedliche Menschen miteinander verbindet, ohne ihre Unterschiede aufheben zu wollen, und deren Grundlage Menschenwürde, gleiche Rechte und gegenseitiger Respekt sind.
Am Ende brachte Ron Williams die Botschaft des Tages noch einmal auf wenige Worte:
„Nein zu Rassismus. Nein zu Antisemitismus. Ja zu Liebe. Ja zur Demokratie.“